Brot-Bestellungen direkt in die Bäckerei Filiale. Ohne Online-Shop, mit Whatsapp!
Warum ein Custom-Bestellsystem in Webflow für ein Lebensmittel-Handwerk die bessere Wahl war als Shopify, WooCommerce oder Magento.

Ausgangslage: Eine Bio-Bäckerei mit vielen Filialen aber ohne digitalen Bestellweg
Die Bäckerei Neuhoff backt Bio-Brot im Handwerk, beliefert mehrere Filialen täglich frisch und hat eine klare, regionale Kundschaft. Was lange fehlte: ein digitaler Bestellweg, der zum Betrieb passt. Die alte Website war Schaufenster, nicht Bestellkanal. Wer sein Lieblingsbrot, eine Großbestellung für die Firma oder eine ganz bestimmte Bestellung zur Abholung sichern wollte, musste anrufen oder darauf hoffen, dass es in der Filiale noch da ist.
Das Problem war nicht "uns fehlt ein Online-Shop". Das Problem war: Die Bestellung muss bei der richtigen Filiale ankommen, mit allen relevanten Infos, ohne dass das Team ein neues System lernen muss.
Strategie: Kein Shop-System, sondern WhatsApp dort, wo es ohnehin schon liegt
Die naheliegende Lösung wäre ein klassisches E-Commerce-System gewesen: Shopify, WooCommerce, Shopware. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden — aus drei Gründen:
- Sortiment passt nicht zu Warenkorb-Logik. Frisches Brot ist kein versandfähiges Produkt mit Lagerbestand. Es ist ein Tagesprodukt, das in einer bestimmten Filiale für einen bestimmten Zeitpunkt reserviert wird.
- Betrieb passt nicht zu einem zweiten Tool. Filialleitungen verwalten ihren Tag nicht in einem Shop-Backend, sie verwalten ihn über das Filial-Telefon und WhatsApp.
- Kunden bestellen so, wie sie auch sonst kommunizieren. WhatsApp ist im lokalen Lebensmittel-Handwerk längst ein etablierter Kanal. Ein WhatsApp-fähiges Smartphone pro Filiale stellte keine Hürde dar.
Die strategische Entscheidung war deshalb: Wir bauen einen Custom-Bestellprozess in Webflow, der die Bestellung am Ende strukturiert per WhatsApp in die richtige Filiale schiebt. Kein neuer Tab für das Team. Kein zusätzlicher Login. Kein Shop, der gepflegt werden muss.
Umsetzung: Webflow als CMS, individuelle Programmierung als Motor
Der Stack besteht aus drei Bausteinen, die ineinandergreifen:
- Produkt- und Filial-Datenbasis.
In Webflow haben wir die Produktwelt und die Filialstruktur sauber modelliert und an das Warenwirtschaftssystem der Bäckerei angebunden. - Konnektor zur richtigen Filiale.
Der Custom-Konnektor übersetzt die Bestellung aus dem Web-Formular in eine vorformatierte WhatsApp-Nachricht, adressiert an die WhatsApp-Nummer der richtigen Filiale abhängig davon, welche Filiale der Kunde im Bestellprozess gewählt hat. Damit landet die Bestellung dort, wo sie auch bearbeitet wird, statt in einem zentralen Postfach, das im Zweifelsfall gerade niemand verantwortet. Die Mitarbeiter können sofort und einfach antworten. - Brot-Besteller und interaktive Filial-Map.
Für den Kunden ist der Prozess simpel: Über die interaktive Map wählt er die Filiale, im Brot-Besteller stellt er seine Bestellung zusammen (Produkt, Menge, Abholtag, optionale Hinweise), bestätigt — und wird direkt in den WhatsApp-Chat mit der jeweiligen Filiale weitergeleitet, mit der fertigen Nachricht bereits im Eingabefeld. Senden, fertig.
Resultat: Bestellungen mit vollem Kontext, am richtigen Ort
Nach dem Go-Live (Mai 2026) läuft der Bestellprozess produktiv. Wichtiger als jede Zahl ist die qualitative Veränderung:
- Bestellungen kommen strukturiert an: Produkt, Menge, Filiale, Abholzeitpunkt, optionale Hinweise — keine Rückfragen mehr "welches Brot genau?".
- Bestellungen landen dort, wo sie bearbeitet werden: in der WhatsApp der gewählten Filiale, nicht in einem zentralen Posteingang.
- Das Team hat kein neues System dazubekommen. Der Bestellprozess fügt sich in den bestehenden Filial-Workflow ein, statt ihn zu verändern.
- Stammkunden, die ohnehin schon per WhatsApp bestellt hätten, machen es jetzt vollständig und vorbereitet — ohne Telefonate, ohne vergessene Details.
Learnings: Wann ein Shop-System die falsche Antwort ist
Der wichtigste Take-away aus diesem Projekt: Nicht jedes Lebensmittel-Handwerk braucht einen Shop. Wer regional, frisch, mit Filialen und persönlicher Kundschaft arbeitet, braucht keinen Warenkorb, sondern einen sauber strukturierten Bestell- und Reservierungskanal, der im Alltag des Teams funktioniert.
Webflow als CMS plus eine schlanke Custom-Schicht trifft genau diesen Sweet Spot:
- Pflegeleicht für den Kunden, weil Inhalte und Produkte im vertrauten Webflow-Editor liegen.
- Anpassbar genug, um Geschäftslogik abzubilden, die kein Shop-Plugin von der Stange leistet.
- Schlank im Betrieb, weil kein zweites Backend dazukommt.
Für Marken mit komplexeren Sortimenten und echtem Versandgeschäft bleibt ein E-Commerce-System die richtige Wahl. Für lokales Handwerk, das Reservierung und persönliche Übergabe lebt, ist es das nicht.
Autorenmeinung
Eine spannende Idee in die Wirklichkeit zu bringen ist immer cool. Besonders gefreut hat uns, dass direkt in den ersten Tagen nach Go-Live die ersten Bestellungen über das Tool reingekommen sind. Noch bevor wir Digitales Marketing mit der neuen Bäckerei-Website betrieben haben und das neue Feature öffentlich kommuniziert wurde, sind Stammkunden selbständig darauf aufmerksam geworden. Das ist natürlich dann ein gutes Zeichen für das Tool, wenn Nutzende ohne Erklärung es verstehen und verwenden können. Nachdem wir uns auch in Sachen Skalierbarkeit viele Gedanken gemacht haben, ist es nur eine Frage der Zeit bis neue Funktionen hinzukommen und noch mehr Filialen damit ausgestattet werden!


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