JUBAG Landkreis Regensburg: JU… what?! Wie wir einer Behörde das Amtsdeutsch abgewöhnt haben.
Eine Website für Jugendliche, herausgegeben von einem Landkreis. Was zunächst nach einem grauen Behördenportal klingt, ist dank guter Strategie und Konzeption ein One-Pager geworden, der die Zielgruppe abholt und mit einer Frage beginnt, anstatt mit Zuständigkeiten.
Ein weißes Blatt mit Erwartungshaltung
Die JUBAG, die Jugendberufsagentur des Landkreises Regensburg, hatte keine alte Website. Kein Relaunch, kein Altsystem, keine gewachsene Struktur, die man hätte aufräumen müssen. Ein weißes Blatt also; das klingt einfach. Surprise: Ist es nicht. Die Challenge saß weniger im Code, als vielmehr im Kopf der Zielgruppe. Wer „Landkreis" liest, erwartet Behörde. Und Behörde heißt für die meisten: Grau, verschachtelt, Antragsformular, Passierschein A38. Eine 16-Jährige, die auf ihrem Handy zwischen zwei Unterrichtsstunden nach Hilfe sucht, gibt so einer Seite keine zwei Sekunden.
Dazu kam ein zweites Problem, das man nicht wegdesignen kann: Niemand weiß, was JUBAG bedeutet. Aber anstatt die Erklärungskeule zu schwingen hatte das JUBAG-Team in der Unbekanntheit des Markennamens eine Chance gesehen: Wer die JUBAG nicht kennt hat auch erstmal keine Vorurteile. Die Chance, mit frischen Ideen, authentischen Erfolgsgeschichten von Jugendlichen und einfachen Kontaktmöglichkeiten unter dem JUBAG Label etwas neues aufzubauen. Und side note: Ganz nebenbei entstand die erste Übersicht aller Jungendtreffs im Landkreis Regensburg im Web.
Für wen bauen wir das eigentlich?
Bevor die erste Pixelentscheidung fiel, stand die Zielgruppe fest: junge Menschen zwischen 14 und 21 im Landkreis Regensburg. Nicht „die Bürgerinnen und Bürger". Nicht „Interessierte". Eine konkrete, klar umrissene Gruppe mit konkreten Gewohnheiten. Diese Gruppe kommt über das Smartphone. Sie liest keine Fließtexte. Sie scrollt, wischt, tippt und erkennt Verwaltungssprache auf hundert Meter Entfernung.
Daraus folgte alles Weitere. Ein Logo für Jungendliche von Jugendlichen, bzw. genauer von einem Jugendlichen: unserem Werki Luis. Dazu kurze Texte, Video-Inhalte und das Webdesign mobile-first. Passend dazu mit Webflow auch technisch mal etwas neues statt des klassischen Behörden-CMS. Das Ergebnis: jubag.lk-regensburg.de.
Haltung wird Gestaltung
Die erste Zeile der Seite ist keine Aussage über die Organisation, sondern eine Frage: „Unsicher, wie es bei dir weiter geht?" Darunter „Mach was aus deinem Weg!". Geduzt wird konsequent, und benannt wird, was wirklich los ist: Schule, Ausbildung, Job oder einfach das Leben insgesamt.

Auch das Namensproblem wird nicht erklärt, sondern ausgestellt: „JU… what?" steht in Spray-Optik über die halbe Breite, direkt darunter die Auflösung — „Wer wir sind", mit echten Gesichtern und verständlichen Rollen statt Organigramm-Bezeichnungen. Die visuelle Sprache dazu ist Street Art: gespraytes Logo mit laufender Farbe, Beton- und Backsteintexturen, handgezeichnete Pfeile und Scribbles passend zum Logo-Design.

Den stärksten Bruch mit der Behördenlogik machen die Storys: Jugendliche erzählen im Instagram-Format, was ihnen geholfen hat — Fortschrittsbalken, Handle, Hochformat, O-Ton statt gegengelesener Erfolgsmeldung. Und rein kommt man über zwei Buttons statt über eine Hotline-Odyssee: „Online Termin vereinbaren" oder „Jugendtreffs", dazu ein Kontakt-Button, der nicht „Kontaktformular" heißt, sondern „Hey JUBAG!".

Die Seite geht dahin, wo die Zielgruppe ist
Eine Jugendberatung gewinnt kein Suchmaschinen-Wettrennen gegen die großen Portale. Muss sie auch nicht. Die Reichweite kommt über QR-Codes an Schulen und bei Netzwerkpartnern, also genau dort, wo die Jugendlichen ohnehin sind und wo eine vertraute Person den Code zeigt.
Das verändert die Anforderung an die Seite: Wer per QR-Code kommt, landet mit dem Handy in der Hand und ohne Vorwissen. Die Seite muss in den ersten Sekunden beantworten, was sie ist und was sie für einen tun kann. Genau dafür ist sie gebaut.



Autorenmeinung
Wer jeden Tag in der eigenen Organisation steckt, hält das eigene Kürzel für allgemein bekannt, die Zuständigkeiten für eine Navigation und das Organigramm für eine Informationsarchitektur. Genau so entstehen Websites, die am Ende für den eigenen CEO am ultra-wide Screen gebaut sind (oder für den Amtsleiter) und nicht für die Person, die sie mit dem Handy in der Hand öffnet. Unser “Blick von außen” bringt Ideen, Strategie ist zwar oft etwas unbequem, aber lohnt sich fast immer!


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